Malermeister Vinzenz Kraft

aktualisiert am: 23. Mai 2021
Schuhmacher

Neben dem Installationsgeschäft Schimpf und dem Lebensmittelladen von Hanna Hauck stand bis Anfang 1960 das einstöckige und langgezogene Häuschen von Vinzenz und Anna Kraft (heute Parkplatz). Vinzenz Kraft betrieb bis in die 1940er Jahre ein Malergeschäft, dessen übersichtliche Einrichtung im anschließenden Gebäudeteil, der bis zum Schimpf‘schen Hinter und Materialhof reichte seine Unterkunft fand – einschließlich des gesamten Kraft‘schen Klein- und Federviehs, welches sogar noch den Hohlraum unter der steinernen Treppe in Besitz nahm.

„Für uns Kinder, die wir im gegenüberliegenden Bauernhof lebten und nur von der Hauptstraße getrennt (damals fast nur mit landwirtschaftlichem Verkehr), waren die beiden schon greisen Leute nicht nur wegen der räumlichen, sondern auch wegen der familiären Nähe „Onkel und Tante“, wie die Haucks nebenan.

So stattete Onkel Vinzenz unsere allerersten Lederhosen mit von ihm geschnitzten (natürlich stumpfen) Holzdolchen aus, die er uns (meinem Vetter Franz und mir) in die kleinen aufgenähten Seitentaschen steckte, wobei wir als Dreijährige mächtig stolz waren.“

Werner Krug

Man fand die Krafts im Seniorenalter oft nach getaner Arbeit auf einer Bank in Ihrem Hof sitzend. Dabei waren sie alles andere als alleine. Über lange Jahre in enger Nachbarschaft entstand eine große Vertrautheit, was den Nachbarsfamilien zu Gute kam. Das Ehepaar Kraft profitierte besonders an Schlachttagen und Ernten von den Landwirten nebenan, die sie im Gegenzug, des öfteren mit einem wachsamen Auge auf die spielenden Nachbarskinder im Hof entlasteten.

Das enge Zusammenleben schuf eine Vertrautheit, in welche die jeweilige Familiengeschichte mit einbezogen wurde. So erinnere ich mich, wie die Eltern Jahre später vom lieben Onkel Vinzenz (er war schon lange nicht mehr da) folgende Geschichte erzählten: Als junger Mann muss Vinzenz Kraft, es muss noch vor der Jahrhundertwende gewesen sein, als Taufpate bei Verwandten in Grünsfeld auserkoren worden sein. Und da er das Glaubensbe-kenntnis aus der Schulzeit schon wieder vergessen hatte, das er zur Taufe sprechen sollte, und da öffentliche Verkehrsmittel so gut wie nicht vorhanden waren, machte er sich zu Fuß auf den Weg über den Brückenwald und die Grünsfelder Höhe, um sich in zweistündiger Wanderung das Vergessene  einzuprägen, was, wie er dann berichtete, er auch erfolgreich bewältigt habe.  

Lange ist es nun her, und das Bild von den beiden fast verblasst, verschwunden der kleine drei-seitige Hof,  in dem sie saßen und sich ausruhten von einem langen Leben. Abgerissen war mitt-lerweile ihr Haus, das wir vorher, schon leer und verfallen, als Jugendliche nach Zeugnissen ihres Daseins durchsuchten: einen Vogelkäfig im Stil der Gründerzeit, kupferne Buchstaben-schablonen, altertümliche Schachteln mit Farbbronze, Pinseln, Reste zerbrochenen Mobiliars… 


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Kommentar

  • Sicher war Herr Kraft ein gefragter Mann – in diesem Bereich war sicher immer viel zu tun…?
    Hatte er bei der schweren Arbeit Helfer?
    Mit welchen Techniken und Materialien (Lehm, Kalk etc.) hat er gearbeitet?

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